Vergessene-Heimat
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Scherenkrug

Kein Denkmalschutz aber viele unvergessliche Momente und Anekdoten in der fast 400 jährigen Geschichte.

 

Abriss im Juni 2017 um ein grosses Strassenverkehrsprojekt zu ermöglichen.

Die Scherenkrugkreuzung war jahrzehntelang trotz Ampelanlage ein Unfallschwerpunkt und mittlerweile auf Grund des hohen Verkehrsaufkommen, ein Nadelöhr, zumal sie auch als Umleitungstrecke dient, wenn auf der "Warschauer Allee" sprich A2 mal wieder im Winter wegen Eis und Schnee oder wegen Vollsperrungen durch Unfälle, mal wieder nix mehr geht.

 

Nahe der Lippisch -preussischen Grenze und Chaussee von Bielefeld nach Detmold und einer wichtigen Strasse zwischen Schötmar, dem damaligen Amtsitzes und Oerlinghausen, entwickelte sich an dieser Kreuzung ein reges Treiben.

 

Der Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg als weithin bekannte Speisegaststätte und Lokal folgte ein stetiger Niedergang und Nutzungswechsel.

Der berüchtigte Palm Beach Klub sorgte in der sonst beschaulichen Gemeinde doch für einigen Wirbel, später gesellte sich noch noch ein Casino hinzu.

Zu Zeiten des grossen Zustroms an Russlandeutschen wurde der Scherenkrug als Wohnheim genutzt und auch letztmalig ausgebaut, das Dach wurde etwas angehoben, so das dort nochmals eine Etage entstand die als Wohnraum genutzt werden konnte. 

Bis zum Schluss wurde es als Flüchtlingswohnheim für viele Kulturen genutzt, bis es lange Leerstand, da die Gemeinde noch weitere grosse Flüchtlingsheime besitzt.

 

Viele Details und historische Geschichten sind hier zusammentragen worden und nachzulesen 

http://www.auferstandenausruinen.de/urban-exploration/freizeit/gasthof-s/

 

Meine ersten Urbexfotografieversuche mit veralteter Kamera

Herbsteindrücke

Die Aussicht wird es so und nach dem Strassenneubau nicht mehr geben

 

Meine Lieblingsecke

 

Immens viele Baustile, Anbauten , Umbauten etc kennzeichnen diese Ecke wo früher der kleine hintere Anbau stand. Es ist immer wieder was neues spannendes in der Wand zu entdecken.

 

Zu Beginn der Abrissarbeiten hing dort auch noch ein Spiegel, der es ermöglichte allerlei Spielereien zu machen. Leider hing der Spiegel nicht allzulange und Souvenierjäger haben ihn wohl mitgenommen, sonst wären mit Sicherheit noch schöne Spiegelungen im Winter gelungen.

 

 

Der Spielplatz

 

Das Wandbild

 

Eien Szene aus den verschiedenen Jahrhunderten der Geschichte des Scherenkruges. Im Gebäude durch Rigipsplatten verdeckt, brachte der Abriss des Saalanbaues das Bild in Teilen zum Vorschein.

Kurz vor dem Abriss des Hauptgebäudes fielen durch Sturm und Regen aufgeweicht nochmals ein Teil der Verkleidung ab und brachten zwei schöne Wappen und Schriftzüge ans Tageslicht. Durch die Platten geschützt konnte das Motiv fast in seiner Originalpracht überdauern  und zeigte sich nochmals in seiner ganzen Schönheit.

Man könnte fast meinen das es der Abschiedsgruß des Scherenkruges war, ihn so in Errinerung zu behalten.

 

Über den Maler oder die Enstehung des Bildes ist nichts überliefert.

 

Tages Arbeit -Abends Gäste     -     Saure Wochen - Frohe Feste

 

Ist im übrigen ein Zitat von Goethe aus dem Schatzgräber

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schatzgr%C3%A4ber_(Goethe) 

 

 

Der Countdown läuft

Der Abriss

 

Der letzte Tag

 

Nun ist es vorbei. Das Gebäude liegt in Trümmern.

Nun müssen noch in den nächsten Tagen die sortierten Wertstoffberge und der Bauschutt verladen werden, dann wird es irgendwann an die Fällung der Bäume gehen.

 

Teile der Sandsteinsimse und Fenstereinfassungen sind  heute noch aus dem Schutt sortiert worden und abtransportiert worden. Vieleicht sieht man sie wie die historischen Rundbögen eines Tages wieder.

 

 

 

Das Wandbild II

 

Im allerletztem Augenblick konnten noch schnell ein paar Fotos vom letzten fehlenden Rest des Wandbildes gemacht werden.

 

Hier offenbarte sich auch der Künstler

 

Prof. E. Seng

Sept. 1952 

 

 

Professor Ernst Seng war unter anderem als Lehrer für Kunstunterricht in Oerlinghausen tätig. 

Viel ist nicht weiter über Ernst Seng bekannt, Recherchen ergaben bisher das er wohl auch Aufgabenbücher ua für 6 und 7 Klässler in Rechtschreibung, Stilbildung etc verfasst hat und auch eine kleine Broschüre über den Felsenkeller in Herford.

Vereinzelnd gab es mal Zeichnungen bei Ebay zu verkaufen,aber das war sehr selten.

Bekannt sind noch 2 Zeichnungen die in einer Ausgabe eines Lippischen Heimatmagazins, anlässlich der 50 jährigen Stadtrechteverleihung der Stadt Oerlinghausen veröffentlicht wurden.

Aus dem  Jahr 1966 gibt es noch ein Bild mit persönlicher Widmung zur Silberhochzeit, welches vor nicht allzulanger Zeit im Internet versteigert wurde. 

Interresanterweise sind alle mir nun bekannten Bilder und Zeichnungen Landschaftsmotive ohne Menschen.

Dieses Wandbild ist bis dato das mir einzigste bekannte Bild mit Personen.  

 

Es ist daher nicht verwunderlich das er als Lehrer einen Spruch von Goethe mit als Leitmotiv für das Wandbild verwendet hat, um uns evtl. etwas mitzugeben.

 

Es ist auch nicht bekannt ob er das Bild komplett alleine gemalt hat und wie lange er dafür gebraucht hat. 

Es liegt also noch vieles im dunkeln über diesen lokalen Künstler und Professor. 

Der Volksmund sagt das er auch Initator und Ideengeber für ein Strassenfest in seiner Wohngegend gewesen ist, ob es dieses Strassenfest noch so gibt ist nicht bekannt.

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung dürfen wir hier das gesamte Wandbild zeigen.

Zur Vergrösserung aufs Bild klicken

 

In ganzer Pracht und voller Grösse gibt es das Bild bei Deviantart

 

http://img12.deviantart.net/23f7/i/2017/160/5/2/mural_by_risen_from_the_ruins-daior9v.jpg

 

Dank an den Betreiber der Webseite http://www.auferstandenausruinen.de/ für die Arbeit, das Wandbild neu aufleben zu lassen.

 

Gewitterstimmung

 

Nach Beendigung der Abrissarbeiten ist dort wieder Ruhe eingekehrt.

 

Ein günstiger Moment zwischen Sonnenschein und herannahendem Gewitter mit Sturm und Starkregen, liessen für einen kurzen Moment recht eindrucksvolle Bilder zu.

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